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„Ich mag die Amerikaner und ihren Mut, zu träumen“

Dirk Rohrbach ist Berufsreisender. Er verbringt einen Großteil des Jahres in Nordamerika. Die Träumer und Abenteurer, die er dort trifft, inspirieren ihn immer wieder, aus seiner eigenen Komfortzone auszubrechen und nach Neuem und Ungewissem zu suchen.

Name: Dirk Rohrbach

Geburtsdatum: 21.04.1968

Beruf: Autor, Fotograf, Arzt

Kraft bedeutet für mich: körperliche und geistige Beweglichkeit.

Seit sieben Jahren lebt der Journalist, Fotograf und Arzt Dirk Rohrbach vom Reisen. Er pendelt ohne festen Wohnsitz zwischen Nordamerika und Deutschland und finanziert sein Leben mit Live-Reportagen, Reisebüchern, Hörfunk-Beiträgen und medizinischen Schulungen bei Kieser Training. Allein in diesem Jahr reist er fast neun Monate durch Amerika, insgesamt war er schon rund 50 Mal dort. Als er im September eine Woche in Deutschland ist, nutzen wir die Gelegenheit für ein Telefonat mit ihm. Er ist gerade auf dem Weg nach Berlin, um eine Live-Reportage zu zeigen und gemeinsam mit den Touristikern von Visit USA für das Reiseland Amerika zu werben. Vorher wird er im Kieser Studio in Berlin-Mitte trainieren. Wir sprechen mit ihm über den Reiz Nordamerikas, über große Träume und den Verzicht auf enge Bindungen, den sein rastloses Leben mit sich bringt.

Ihr aktuelles Projekt heißt „50 States. A Journey into America“.
Worum geht es?

Ich will in den nächsten fünf Jahren alle 50 Staaten Amerikas bereisen und porträtieren. Es geht mir um Menschen und ihre Geschichten, die für die jeweilige Region stehen. Ich will sie fotografieren und interviewen. Vielleicht begeistern sich dann noch mehr Menschen für dieses Land, das für mich eines der tollsten Reiseziele ist.

Mark Cline mit Muffler Man in Virgina, ©Dirk Rohrbach

Sie sind mit dem Kanu auf dem Yukon durch Kanada und Alaska gepaddelt und mit dem Fahrrad quer durch die USA gereist – was reizt Sie gerade an Nordamerika?

Zum einen sind es natürlich die vielfältigen, grandiosen Landschaften. Aber noch mehr sind es die spannenden Begegnungen mit den Menschen. Ich mag die Amerikaner, mit ihrem Mut, groß zu träumen und insgesamt abenteuerlustiger und unkonventioneller durchs Leben zu gehen. Ich habe viele Amerikaner kennengelernt, die mich begeistern und inspirieren, nach Neuem und Ungewissem zu suchen und aus der Komfortzone auszubrechen. Wir wachsen nur am Widerstand, wie Werner Kieser sagt, das gilt sowohl für unsere Muskeln als auch für unseren Geist. Außerdem liegt mir die Mentalität der Amerikaner. Sie sind unglaublich freundlich, hilfsbereit und höflich. In Amerika drängelt sich niemand vor, alle respektieren deine Privatsphäre und geben dir Raum.

Haben Sie dafür Beispiele?

Ich bin viel in Regionen unterwegs, in denen es Weite und Platz gibt. Nicht in engen Metropolen, sondern auf dem Land, in „small town America“. Da zieht es offenbar kreative Menschen hin, die Platz brauchen, um sich auszuleben. Ich habe viele Leute getroffen, die dort ihren Traum leben. Zum Beispiel einen Bio-Farmer, der in die menschenfeindliche Wüste von Utah gezogen ist und dort, in einem fruchtbaren Tal, seit 20 Jahren sein Gemüse anbaut. Und ich habe einen Mann besucht, der ist fast 90 Jahre alt und tunt seit sechs Jahrzehnten Autos. Er baut die Karosserien um und lackiert sie neu, in Amerika gilt er als Legende. Die Amerikaner denken nicht über Rente nach. Sie fragen sich stattdessen eher, welche Karriere wohl als nächstes kommt. Es ist eine ständige Suche nach Herausforderungen. Das gilt natürlich nicht für alle, aber es gibt schon viele Freigeister und Großträumer. Und die scheinen in Gegenden häufiger, in denen es Platz gibt, wie in Amerika.

Wie schaffen Sie unterwegs den Spagat zwischen Reisen und Arbeiten?

Das kann ich gar nicht trennen. Ich bin quasi Berufsreisender, war den ganzen Sommer mit meinem alten Pickup unterwegs und habe zehn Staaten bereist. Das Auto hat ein Camper-Top, in dem ist alles drin, was ich brauche. Ich arbeite mit Tourismusverbänden zusammen, die mir Vorschläge für interessante Menschen und Geschichten machen. Manchmal ist der gesamte Tag von früh morgens bis spät abends mit Treffen und Terminen verplant. Dann kopiere ich oft nur noch die Fotos auf die Festplatte und habe nicht mal mehr die Zeit, sie zu sichten. Die Fotos sind dann später zusammen mit den gesammelten Interviews meine Gedankenstütze für die Arbeit an einem Buch oder an einer Reportage.

Highway 50 - Amerikas einsamste Straße in Nevada, ©Dirk Rohrbach

Welche Bindungen sind Ihnen wichtig? Wie können Sie diese aufrechterhalten?

Bindungen weiß ich gar nicht, aber Beziehungen und Wurzeln sind natürlich wichtig. Ich genieße es schon, Zeit mit Freunden zu verbringen, vor allem in Amerika, wo man auch nach manchmal monatelanger Funkstille ganz schnell wieder zueinanderfindet. In Deutschland ist das für mich schwieriger, weil ich auch hier viel unterwegs bin und während der Vortragstourneen jeden Tag woanders hinreise.

Manchmal sagen mir Zuschauer nach Veranstaltungen, dass sie mich um mein Leben beneiden, dass sie das aber wegen der Familie nicht könnten. Ich habe keine Familie. Das ist der Preis, den ich für das Leben unterwegs zahlen muss. Familie zu haben wäre vielleicht auch schön, aber ich habe mich für einen anderen Weg entschieden.

Inwiefern ist Einsamkeit ein Thema für Sie?

Ich bin auf meinen Reisen alleine, aber ich fühle mich nie einsam. Die Begegnungen mit anderen Menschen sind so intensiv, dass ich dann auch wieder Zeit alleine brauche, um alles zu verarbeiten. Und ich komme auch ganz gut mit mir allein zurecht.

Fehlt Ihnen unterwegs etwas?

Manchmal fehlt mir ein richtiges Zuhause. Ein Ort, wo ich die Tür zu machen und einfach ich sein kann. Wenn ich an einem Buch schreibe, miete ich mir in Amerika eine Wohnung oder ein altes Häuschen, wo ich eine Weile leben, Kraft tanken und zur Ruhe kommen kann. Da die Entfernungen in Amerika sehr groß sind, bin ich viel auf der Straße. Da fehlt mir irgendwann die Bewegung und das Training bei Kieser. Wenn ich lange nicht trainiert habe, werde ich unruhig und schlecht gelaunt.

Das Training

Wenn Dirk Rohrbach in Deutschland ist, geht er regelmäßig jeden zweiten Tag zu Kieser Training und trainiert dort den ganzen Körper. Den Schwerpunkt legt er auf Rücken und Oberkörper. Er hat einen Gleitwirbel in der Lendenwirbelsäule, den er durch das Training gut stabilisieren kann.

Nach dem Medizinstudium hat Dirk Rohrbach acht Jahre in einer orthopädischen Praxis in München gearbeitet und dort ein Kieser Training-Studio betreut. Inzwischen bildet er in Schulungen mehrmals im Jahr Mitarbeiter in verschiedenen Kieser Training-Studios medizinisch fort.


Gab es mal einen Moment, wo Sie alles hinwerfen und das Reisen aufgeben wollten?

Es gab mal eine Phase, in der ich dachte, es wäre schön, wieder eine Basis zu haben. Ich habe mir dann ein Haus in Nashville in Tennessee gekauft, erstmal als Investition. Es war vermietet, irgendwann aber haben die Mieter nicht mehr gezahlt und sind geflüchtet. Ich hätte dort einziehen können, aber ich habe ganz schnell gemerkt, dass ich noch nicht bereit war, mich niederzulassen. Also habe ich es wieder verkauft.

Wo wohnen Sie, wenn Sie in Deutschland sind?

Ich darf mich bei Freunden unterm Dach einquartieren. Sie wohnen östlich von München. Und sonst bin ich ja meist auf Tour und jeden Abend in einem anderen Hotel.

Dirk Rohrbach
6000 Kilometer westwärts – Auf dem Rad mitten durch Amerika
Erschienen bei Malik/NG
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN 3492406106
 

Mehr über Dirk Rohrbach

Fünfteilige Fernseh-Dokumentation „Auf dem Rad mitten durch Amerika“, vom 16. bis 20. Oktober 2017 bei arte und Servus TV.

Auf Vortragstour in Deutschland:
06.11.2017 Dortmund
08.11.2017 Kiel
05.12.2017 Hannover
14.01.2018 Zürich
15.02.2018 Ingolstadt

Weitere Termine und Infos unter: www.dirk-rohrbach.com

Interview: Monika Herbst
Fotos: Claudia Axmann und Dirk Rohrbach