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Irre Distanzen mit wenig Aufwand

Aufgeben ist für Ultraläufer Daniel Brückner keine Option. Selbst in Berlin nicht, als er seinen schlimmsten Tiefpunkt hat und noch 12 Kilometer vor ihm liegen.

Name: Daniel Brückner

Geburtsdatum: 13.06.1988

Beruf: Instruktor, Kieser Training Bochum

Hobbys: Krafttraining, Ausdauersport (Laufen, Radfahren), Lesen

Kraft bedeutet für mich: den Körper stabil zu halten, auch wenn er sich im Grenzbereich bewegt, und damit Verletzungen zu verhindern.

Sie gehört zu den beliebtesten Touristenzielen in Berlin: die East Side Gallery, ein 1,3 Kilometer langer Mauerabschnitt an der Ostberliner Mühlenstraße, der 1990 von Künstlern aus der ganzen Welt bemalt wurde. Als Daniel Brückner am 15. August 2015 gegen Mitternacht an den Bildern vorbeiläuft – an dem Trabi, der die Mauer durchbricht oder an der Freiheitsstatue, die das Brandenburger Tor in der ausgestreckten Hand hält – hat er keinen Blick dafür. Auch nicht für das Partyvolk, das in dieser heißen Sommernacht die Straße bevölkert. Es fällt ihm schwer, zwischen den vielen Menschen die gelben Pfeile auszumachen, die den Streckenverlauf markieren. Zu diesem Zeitpunkt hat er schon 148 Kilometer des insgesamt 160 Kilometer langen Mauerweglaufs geschafft, der jährlich zur Erinnerung an die Opfer der innerdeutschen Grenze veranstaltet wird. Für ihn fühlt es sich wie eine Ewigkeit an, bis er an der East Side Gallery vorbei ist und die nächste Verpflegungsstation erreicht. Dort steht seine Mutter und ist entsetzt, als sie ihren Sohn entdeckt, der völlig fertig aussieht. In diesem Moment erlebt er den absoluten Tiefpunkt seiner bisherigen Laufkarriere. Gleichzeitig ist der „Mauerweglauf“ sein Höhepunkt: Er läuft nach 19 Stunden und 44 Minuten als Erster seiner Altersklasse ins Ziel.

Ist das viele Laufen nicht langweilig?

Sein Ehrgeiz ist es, der Daniel Brückner weiter und weiter laufen lässt, auch wenn sein Körper längst Stopp sagt. Der ihn die eigene Grenze überwinden und ihn durchhalten lässt, wenn alles schmerzt. Brückner läuft Ultramarathon und damit Strecken, die länger sind als die Marathondistanz von 42,195 Kilometern. Die Excel-Tabelle, auf der er alle bisher gelaufenen Rennen mit Strecke und Zeit notiert hat, beginnt 2010 und ist fast zwei Seiten lang. Genauso akribisch, wie er seine Ergebnisse festhält, plant er seine Läufe im Vorfeld: Seine Trainingspläne sorgen dafür, dass er auch dann läuft, wenn es draußen nieselt und seine Frau es sich auf der Couch gemütlich macht. Die Monate vor dem Mauerweglauf in Berlin, ist er zweimal pro Woche 23 Kilometer gelaufen und hat dafür je zwei Stunden gebraucht.

Ist das nicht langweilig, so lange zu laufen? Für Daniel Brückner nicht. Er nutzt die Zeit, um über alles Mögliche nachzudenken. Ohnehin ist sein Trainingsaufwand überschaubar: Er fährt öfter mit dem Fahrrad zur Arbeit – einfach braucht er für die Strecke eine Stunde – und läuft am Wochenende bei Wettbewerben mit. Dazu kommt das Krafttraining bei Kieser. Er hat ausgerechnet, dass er am Tag nicht mehr als eine Stunde trainiert. Das reicht deshalb, weil er bei jedem Rad- und Krafttraining ans Limit geht.

Das Training

Daniel Brückner trainiert einmal pro Woche die großen Muskelgruppen. Er versucht, an jedem einzelnen Gerät sein maximales Endgewicht zu erreichen und weiß, dass man viel mehr schafft, als man am Anfang denkt. Die Belastung ist so hoch, dass er danach auch wirklich platt ist. Zusätzlich trainiert er gemeinsam mit einem Arbeitskollegen an drei Geräten die Schultermuskulatur – aus optischen Gründen, weil er seine Schultern zu schmal fand.


Schlaf ist ihm heilig – deshalb steigt er aufs Fahrrad um

Wer bei einem Ultraläufer einen einsamen Wolf vor Augen hat, liegt bei Daniel Brückner falsch. Ihm sind Familie und Freunde sehr wichtig. Sein Freund André Pöschel zum Beispiel, der ihn beim Mauerweglauf die Hälfte der Strecke mit dem Fahrrad begleitet hat. „Wenn die zwei zusammenhängen, reden sie nur über abgefahrene Sportarten und irre Distanzen“, erzählt Daniel Brückners Frau Julia lachend. Bevor er sich zu einem Rennen angemeldet hat, hat er seine Frau immer gefragt, ob das okay ist. Oft haben sie ein gemeinsames Familienwochenende daraus gemacht, wie in Berlin oder im Harz. Julia Brückner erinnert sich auch noch gut an einen Winterlauf auf einem Kasernengelände, bei dem sie gemeinsam mit seinen Eltern, seiner kleinen Schwester und seinem großen Bruder zuschaute. Sie trugen alle Skiklamotten und dicke Handschuhe. Es gab Tee und Kekse. Sie haben ihm jedes Mal zugewunken, wenn er vorbeigelaufen ist und hatten ihren Spaß. Spaß? Ist das auch seine Motivation? Nein. Ihn bringt etwas anderes dazu, immer wieder die Laufschuhe zu schnüren und sich neue Ziele zu setzen: das Gefühl, etwas zu schaffen, das zunächst unüberwindbar schien. Das gibt ihm Zufriedenheit.

Trotzdem: mehr Kilometer als beim Mauerweglauf möchte er sich nicht mehr antun – zumindest nicht zu Fuß. Die nächste Stufe bei den Ultraläufen liegt bei 230 Kilometer, die Teilnehmer sind dafür länger als einen Tag und eine Nacht unterwegs. Dafür ist ihm sein Schlaf zu wichtig. Zumal er mit Sportfreund André Pöschel längst ein anderes Ziel ausgetüftelt hat: Radrennen. Angefangen mit 200 Kilometern, später mit 400 und 600 Kilometern. Langfristiges Ziel und für ihn die größte sportliche Herausforderung ist der Ironman: 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und 42,195 km Laufen. Brückner ist kein guter Schwimmer. Der Ironman ist für ihn eine neue Grenze, die unüberwindbar scheint. Noch ...

Text: Monika Herbst
Foto: Verena Meier