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Rückenleiden: Nicht fürs Sitzen gemacht
25.09.11
Die Presse von Doris Kraus
Der Mensch ist vor allem für Gehen, Liegen oder Kauern geeignet. Am liebsten aber sitzt er. Und das ist schlecht, so Mediziner und Therapeuten. Diese Haltung trägt maßgeblich zum Entstehen von Rückenleiden bei.
Mit dem Sitzen ist es so eine Sache. Auf den ersten Blick ist es die harmloseste, unauffälligste und vielseitigste Form der menschlichen Haltung. Sitzen gilt als Sinnbild von Entspannung und Gemütlichkeit genauso wie als Inbegriff von Arbeit und Konzentration. Von Kindern wird es als notwendige Voraussetzung verlangt („Sitzfleisch“), um sich als Teil der Bildungsgesellschaft zu qualifizieren und nach jahrelangem Sesseldrücken in diversen Ausbildungsstätten (hoffentlich ohne „Sitzenbleiben“) in einer jener Professionen zu landen, die noch immer mit einem gewissen Hauch von Hochachtung den „sitzenden Berufen“ zugeordnet werden. Wer sitzen darf, hat's gut. Davon ist unsere Gesellschaft im Grunde noch immer überzeugt.
Mittlerweile versuchen allerdings ganze Berufsstände, sie eines Besseren zu belehren. Mit drastischen Ansagen: „Der Mensch“, meinen Orthopäden, Physiotherapeuten und Fitness-Praktiker in seltener Einigkeit, „ist nicht fürs Sitzen gemacht.“ Die Schäden, die daraus entstehen, tragen maßgeblich zu dem bei, was gern als Volkskrankheit Nummer eins bezeichnet wird: den Rückenleiden. Die daraus resultierenden direkten und indirekten Kosten belasten die Budgets der industrialisierten Länder mittlerweile mit zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
85 Prozent haben Rückenprobleme. „Rückenschmerzen sind wie ein Schnupfen. Fast jeder bekommt sie mindestens einmal im Leben“, meint eine Physiotherapeutin mit jahrelanger Erfahrung. Genaue epidemiologische Zahlen sind in Österreich zwar kaum vorhanden, die Schätzungen weichen allerdings nicht sonderlich weit voneinander ab: Zwischen 80 und 85 Prozent der österreichischen Bevölkerung haben oder hatten Probleme mit dem Rücken.
Eine der Hauptursachen ist eine Tätigkeit, die normalerweise gar nicht als solche erkannt wird. „Sitzen wird unterschätzt, es ist eine absolut belastende Haltung, vor allem für die Wirbelsäule“, sagt Martin Friedrich, Leiter der Abteilung für Orthopädische Schmerztherapie im Orthopädischen Spital Speising und Initiator von Ceops (Center of Excellence for Orthopaedic Painmanagement Speising). Der Grund ist, dass der Mensch von seinem „Gerüst“ her nicht für sitzende Positionen angelegt ist. „Sitzen ist nicht physiologisch adäquat. Physiologisch war das Kauern. In Afrika machen das die Leute ja heute noch. Dort sind auch die älteren Menschen noch sehr beweglich“, sagt der Fitness-Experte Werner Kieser, dessen Devise es ist, Rückenleiden durch die Kräftigung der Muskeln zu beheben (siehe Interview).
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